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Sind die Wechseljahre Wechseljahre?

Ende vierzig. Zwei Kinder. Ein Ehemann, der neben mir im Bett atmet, als wäre das eine Garantie. Eine Kanzlei, in der ich den ganzen Tag andere Leute vor ihren eigenen Entscheidungen schütze. Und ein Körper, der gerade den Vertrag kündigt, den ich nie bewusst unterschrieben habe.

Die Wechseljahre sind Wechseljahre. Das habe ich lange so gesagt, wie man einen Stempel auf ein Aktenstück drückt. Erledigt. Natürlich. Weiter.

Es ist nicht erledigt.

Was mich wütend macht, ist nicht die Hitzewallung im Gerichtssaal. Nicht der Schlaf, der um drei Uhr nachts aufsteht und nicht wiederkommt. Nicht einmal, dass Sex manchmal wehtut oder sich anfühlt wie eine Pflicht, die ich früher professionell erfüllt habe und heute privat nicht mehr spielen will.

Was mich wütend macht, ist die Geschichte, die man Frauen in meinem Alter erzählt: dass der Mann geht. Dass er eine Jüngere nimmt. Dass wir übrig bleiben, ausgetauscht wie ein Leasingvertrag.

Bei mir in der Praxis sehe ich etwas anderes. Und in meinem eigenen Haus auch.

Es sind oft die Frauen, die gehen. Nicht laut. Nicht mit Koffer am Bahnsteig. Sie gehen zuerst innerlich. Sie hören auf, den Haushalt der Gefühle zu führen. Sie hören auf, den Sex zu organisieren, damit er sich geliebt fühlt. Sie hören auf, seine Langeweile zu unterhalten. Und irgendwann sagen sie den Satz, den er nicht kommen gesehen hat: Ich will so nicht alt werden.

Ich kenne beide Seiten. Ich habe Männer bezahlt bekommen, die ihre Frauen zu Hause gelassen haben, weil die „nicht mehr so waren“. Ich habe ihre Scham gerochen und ihre Großspurigkeit. Ich habe auch die Frauen gesehen, die nach der Trennung in meiner Kanzlei sitzen und zum ersten Mal seit Jahren durchatmen.

Mein Mann weiß, wer ich war. Das war die Bedingung. Keine Märchen. Ich habe ihm nicht die entschärfte Version meiner Biografie verkauft. Wer mit einer ehemaligen Escort verheiratet ist, sollte wissen, dass sie den Unterschied kennt zwischen Begehren und Geschäft, zwischen Nähe und Performance. Lange war das unsere Stärke. Ich konnte Sex entzaubern, ohne ihn zu entwerten. Er musste mich nicht retten. Ich musste ihn nicht überhöhen.

Jetzt ist da etwas Drittes im Raum. Nicht eine Geliebte. Die Wechseljahre.

Meine Libido ist nicht tot. Sie ist wählerisch geworden. Früher konnte ich auf Knopfdruck funktionieren – beruflich musste ich das. Heute funktioniert mein Körper nicht mehr auf Kommando, und mein Kopf erst recht nicht. Wenn er mich anfasst, als wäre ich noch die Frau von vor zehn Jahren, merke ich sofort: Das ist nicht für mich. Das ist für das Bild von mir.

Und ja: Manche Männer gehen in genau dem Moment fremd. Nicht weil die Frau hässlich geworden ist. Sondern weil die Beziehung aufgehört hat, sie zu tragen, und Sex das letzte Ritual war, das noch so tat, als wäre alles in Ordnung. Wenn das Ritual wegfällt, suchen ein paar das Ritual woanders. Das ist feige und menschlich zugleich. Ich verurteile es. Ich verstehe den Mechanismus trotzdem.

Aber die größere Bewegung, die ich sehe – in Akten, in Freundinnenkreisen, im Spiegel – ist eine andere. Frauen in meinem Alter verabschieden sich nicht vom Sex, weil Sex unwichtig geworden wäre. Sie verabschieden sich von der Idee, dass ihre Daseinsberechtigung in einer Ehe davon abhängt, verfügbar zu bleiben.

Ich habe zwei Kinder. Ich werde sie nicht zum Alibi machen, in einer Ehe zu bleiben, die nur noch funktioniert, weil niemand den Stecker zieht. Ich werde auch nicht so tun, als wäre mein Mann der Feind, nur weil mein Östrogen sinkt. Das wäre billig. Und ich bin Anwältin. Billig ist mein Job nicht.

Was ich will, ist Klarheit.

Entweder wir reden darüber, dass mein Körper sich verändert und sein Ego das aushalten muss.
Oder wir geben zu, dass wir uns schon länger nur noch verwaltet haben.

Die Wechseljahre haben mir nichts gestohlen, das ich nicht sowieso prüfen musste. Sie haben mir die Geduld genommen, Dinge schönzureden, die nicht schön sind. In meinem alten Beruf habe ich gelernt, Männer zu lesen. In meinem neuen Beruf lerne ich, Verträge zu kündigen, die nicht mehr halten.

Die Ehe ist auch ein Vertrag. Kein romantischer. Ein gelebter.

Ich bin Ende vierzig, verheiratet, Mutter, Anwältin, und ich war einmal die Frau, für die Männer ihre Ehe kurz verlassen haben, ohne sie wirklich zu verlassen. Ich weiß, wie dünn Loyalität sein kann, wenn sie nur am Begehren hängt.

Deshalb sage ich meinen Leserinnen das, was ich mir selbst sage:

Es sind nicht immer die Männer, die gehen.
Oft sind es die Frauen, die aufhören, zu bleiben, nur damit jemand nicht allein einschlafen muss.

Und wenn Sex dabei kleiner wird, heißt das nicht, dass das Leben kleiner wird. Es heißt oft nur, dass endlich etwas anderes größer werden darf.

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